Ende 2021 erhielt der Klimaforscher Klaus Hasselmann den Nobelpreis für Physik. „Das Pariser Abkommen wäre undenkbar ohne die Arbeit von Klaus Hasselmann“, sagte dessen Nachfolger am Hamburger Max-Planck-Institut nach Bekanntgabe der Entscheidung des Nobel-Komitees. Bereits im vergangenen Jahrhundert entwickelte der Wissenschaftler Methoden, mit denen sich der Zusammenhang zwischen steigenden globalen Temperaturen und menschlich verursachten Treibhausgasemissionen wissenschaftlich nachweisen ließ. Mit der Preisverleihung verband das Komitee zugleich einen Appell, die im Pariser Abkommen vereinbarten Ziele konsequent weiterzuverfolgen. Um die Erderwärmung zu begrenzen und die internationalen Klimaziele zu erreichen, sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefordert.
Als Generalplaner und Baupartner planen, bauen und revitalisieren wir bei Vollack Gebäude für die Bereiche Büro, Industrie und Gesundheit. Dabei beschäftigen wir uns intensiv mit Fragen rund um Energiebedarf, Ressourceneinsatz und CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Seit Langem untersuchen wir daher, welche CO2-Werte bei Planung und Bau einzuhalten sind, damit Neubauten mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang stehen können. Auf dieser Grundlage haben wir einen konkreten Zielwert entwickelt.
Das CO2-Budget pro Kopf im Blick
Zentral ist die Einigung der Staatengemeinschaft auf eine Obergrenze für die noch zu emittierende Gesamtmenge an Kohlendioxid aus fossilen Quellen (Globalbudget). Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) schlägt für den Zeitraum von 2010 bis 2050 ein weltweites Budget von 750 Milliarden Tonnen CO2 vor. Nach Einschätzung des Beirats könnte sich damit die globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln auf zwei Grad Celsius begrenzen lassen.
Um einen Zielwert pro Person zu ermitteln, ist eine weitere Größe erforderlich: die Weltbevölkerung. Die Vereinten Nationen nennen für das Jahr 2010 eine globale Bevölkerung von 6,96 Milliarden Menschen und prognostizieren für 2050 rund 9,74 Milliarden. Daraus ergibt sich ein Durchschnittswert von 8,35 Milliarden Menschen. Teilt man das globale CO2-Budget durch den Zeitraum von 40 Jahren und die durchschnittliche Weltbevölkerung, ergibt sich ein rechnerisches CO2-Budget von 2,2 Tonnen pro Person und Jahr. In diesem Wert sind sämtliche Lebensbereiche berücksichtigt, vom Wohnen und Arbeiten über Mobilität bis hin zum Konsum.
CO2-Budget für Bürogebäude
Um im nächsten Schritt das CO2-Budget beispielsweise für Bürogebäude zu berechnen, treffen wir eine weitere Annahme: Demnach entfällt ein Achtel des jährlichen CO2-Budgets einer Person auf den Bereich Büro und Arbeiten.
Das bedeutet, dass von den genannten 2,2 Tonnen rechnerisch 0,28 Tonnen diesem Bereich zuzuordnen sind. Bei einem Flächenbedarf von 15 Quadratmetern je Arbeitsplatz in einem Open Space Office ergibt sich daraus ein jährliches Budget für Bürogebäude von 19 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter.
Diesen Wert verwenden wir als Orientierungsgröße. Konkret bedeutet das: Für die Ausrichtung an den Zielen des Pariser Abkommens kann ein Richtwert von 19 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Jahr und Quadratmeter Bürofläche herangezogen werden.
Herstellungs- und Betriebsemissionen lassen sich auf Basis eines typischen Gebäudelebenszyklus grob im Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln betrachten. Aus unserer Erfahrung entfällt etwa ein Drittel dieses Wertes, also 6,3 Kilogramm CO2 pro Jahr und Quadratmeter, auf die Herstellung eines Gebäudes. Die verbleibenden zwei Drittel beziehungsweise 12,7 Kilogramm entfallen auf die Nutzung.
CO2-Werte ganzheitlich betrachtet
Mit diesen beiden Werten betrachtet Vollack den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Während das seit dem 1. November 2020 geltende Gebäudeenergiegesetz (GEG) die Nutzungsphase in den Mittelpunkt stellt, bezieht der Vollack Ansatz zusätzlich die Herstellung eines Gebäudes ein.
Auch bei den Orientierungswerten zeigt sich dieser umfassende Blick: Das GEG weist einen Wert von 37 Kilogramm CO2 pro Jahr und Quadratmeter aus. Der von Vollack entwickelte Richtwert für Herstellung und Nutzung zusammen liegt bei 19 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Jahr und Quadratmeter Bürofläche.

19 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Jahr und Quadratmeter Bürofläche: Aus den Zielen des Pariser Abkommens leitet Vollack einen Orientierungswert für Planung, Herstellung und Nutzung von Bürogebäuden ab.
Bausteine für die CO2-Betrachtung von Gebäuden
Um den von uns entwickelten Orientierungswert zu erreichen, greifen wir auf eine Vielzahl erprobter Planungs- und Optimierungsinstrumente zurück. Eine zentrale Rolle spielt dabei Building Information Modeling (BIM). Bereits in frühen Planungsphasen macht das digitale Gebäudemodell sichtbar, welche CO2-Werte mit unterschiedlichen Materialien und Bauteilen verbunden sind. Dadurch entstehen fundierte Entscheidungsgrundlagen für die weitere Gebäudeplanung.
Neben BIM gibt es weitere Bausteine, die entscheidend sind, wenn es um den ökologischen Fußabdruck von Gebäuden geht:
- Lean Construction (LEAN), also die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen und die Reduzierung vermeidbarer Aufwände
- Bauweisen mit Holz und anderen biobasierten Materialien
- der energetische Standard eines Gebäudes, beispielsweise ein Passivhaus
- die Nutzung regenerativer Energien, zum Beispiel Photovoltaik
- eine Gebäudeautomation, die auf einen verbrauchsoptimierten Betrieb hin ausgerichtet ist.
Projekt Solarparc: Orientierung am Zwei-Grad-Ziel
Mehrere energieoptimierte Gebäude und zertifizierte Passivhäuser, die Vollack seit Jahren geplant und errichtet hat, unterstreichen, wie wir gemeinsam mit unseren Kunden Gebäude mit langfristiger Perspektive entwickeln. Ein aktuelles Beispiel ist das Bürogebäude, das wir für den Dienstleister für regenerative Kraftwerkswirtschaft Solarparc in Alfter bei Bonn realisieren. Das Zusammenwirken der genannten Bausteine führt dazu, dass hier ein Neubau entsteht, der in seiner Herstellung vollkommen klimaneutral ist und in der Nutzungsphase die von Vollack definierten CO2-Orientierungswerte einhält – und damit kompatibel mit dem Zwei-Grad-Ziel ist. Dafür sorgen im konkreten Fall die Anwendung von BIM und LEAN, die Holzmassivbauweise, der KfW 55-Standard, die LED-Beleuchtung, eine Photovoltaikanlage und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die die Umgebungsluft als Wärmequelle nutzt, um das Gebäude zu heizen.

Beispiel Solarparc: Der energieoptimierte Neubau in massiver Holzbauweise ist in seiner Herstellung vollkommen klimaneutral und liegt in der Nutzungsphase innerhalb der von Vollack hergeleiteten Orientierungswerte für das Zwei-Grad-Ziel.
Was bedeutet dies konkret in Zahlen? 5,6 Kilogramm CO2 pro Jahr und Quadratmeter, die für die Herstellung anfallen, werden neutralisiert. Da die für den Bau eingesetzten Holzteile CO2 speichern, substituieren sie das CO2, das beispielsweise bei der Herstellung von Stahlbeton, Glas und der Photovoltaikanlage freigesetzt wird. Für die Nutzungsphase wurde ein Wert von 18 Kilogramm CO2 pro Jahr ermittelt. Damit wird der von Vollack definierte Orientierungswert sogar deutlich unterschritten.
Fazit: Bis zur Klimaneutralität ist es noch ein weiter Weg.
Das ausgeführte Beispiel zeigt, was bereits heute möglich ist. Schon heute können wir für unsere Bauherren Gebäude planen und realisieren, deren CO2-Werte mit den Anforderungen des Zwei-Grad-Ziels vereinbar sind.
Die Ergebnisse des Projekts Solarparc bestätigen diesen Ansatz. Sie motivieren uns, die Entwicklung entsprechender Lösungen kontinuierlich voranzutreiben und den Gebäudelebenszyklus noch stärker in den Fokus zu rücken. Gleichzeitig liefern sie Bauherren wertvolle Orientierungswerte für die Einordnung ihrer Immobilien im Hinblick auf CO2-Emissionen und deren langfristige Entwicklung.
Darüber hinaus schaffen solche Gebäude Arbeitswelten, die Nutzungsqualität, Funktionalität und Produktivität miteinander verbinden. Die Diskussion um CO2-Emissionen, Ressourceneinsatz und Gebäudelebenszyklen zeigt dabei zunehmend, welche Bedeutung Immobilien für die strategische Ausrichtung von Unternehmen haben können.


Ansprechpartner:
Dirk Baumbach
Leiter Immobilien und Nachhaltigkeit
Müller - Die lila Logistik Service GmbH
Architekt
DGNB ESG-Manager
DGNB Auditor
Fon + 49 7143 810 33153
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